2B: Fachexkursion zur Vermarktung und Regionalität im Tiroler Oberland am 30.06.2011
Wir fuhren mit Frau FOLin Ingin Dipl.Pädin Notburga Kofler und Frau DIin Barbara Humer
zu mehreren Betriebsbesichtigungen ins Tiroler Oberland.
Schneggahof am Imsterberg
Als erstes besuchten wir den Schneggahof am Imsterberg. Wir wurden gleich von den Betriebsleitern, der Familie Gabriel und Christine Schnegg, sehr herzlich begrüßt; sie freuten sich, dass sich die SchülerInnen der hlfs Kematen für ihren Betrieb interessieren und opferten uns kostenlos einen ganzen Vormittag. Sie führen seit 2003 einen Vollerwerbsbetrieb mit einem Milchkontingent von 20.000 l. Zum Hof gehören ca. 30 ha Feld, davon sind 8 ha Acker und 22 ha Dauergrünland. 10 ha des Dauergrünlandes können aufgrund der Hangneigung nur mit der Hand bewirtschaftet werden. 2007 begann Familie Schnegg mit der Direktvermarktung. Im eigenen Hofladen verkaufen sie Kartoffeln aus eigenem Anbau, Speck, Käse, selbstgemachte Kräutertees, Joghurt, Liköre und Schnäpse. Weiters betreibt Familie Schnegg „Schule am Bauernhof“ und einmal im Jahr bieten sie „Frühstück am Bauernhof“ an. Die Bäuerin Christine zeigte uns ihren wunderschönen biologischen Kräutergarten. Rund um diesen wurde ein Barfußweg errichtet. Der Bauer Gabriel führte uns durch den 1976 errichteten Anbindestall für 22 Milchkühe der Rasse Braunvieh und Holstein, die mit einer Rohrmelkanlage gemolken werden. Zudem besitzt die Familie Jungvieh in einem neugebauten Freilaufstall, zehn Kälber, aber auch ein Pony, Schafe und Zwergziegen und mehrere Schweine. Beeindruckt waren wir vom Hobby und den Kunstwerken des Bauern: Schnitzereien mit der Motorsäge. Der Ausflug war informativ und sehr interessant. Nach dieser tollen Besichtigung fuhren wir weiter ins Pitztal zu „Ander's Hof“.
Ander's Hof in Arzl im Pitztal
Dort begrüßte uns der Seniorchef Elmar zusammen mit seiner Schwiegertochter Caroline, deren Mann den Hof übernommen hat. Caroline ist übrigens auch eine Absolventin der hlfs Kematen. Der Betrieb ist bekannt als Ander's Hof. Der Name geht auf den Bauern Ander zurück, der 1750 (!) den Betrieb führte. Der Hof liegt auf ca. 900 m Seehöhe. Das Klima ist sehr mild und durch geringen Niederschlag gekennzeichnet. Zum Hof gehört ein Hofladen, der zusätzlich von 15 Landwirten aus der Umgebung beliefert wird. Der Laden wird jährlich von 10.000 Personen besucht. Dort werden Produkte wie Käse, Joghurt, Liköre, Schnäpse und Marmeladen verkauft. Es werden auch zugekaufte Gewerbeprodukte aus Schaf- und Kuhmilch angeboten, die aus Vorarlberg stammen. Elmar beliefert auch die Gastronomen und Großfamilien mit eigenen Produkten. Caroline pflegt nebenbei einen schönen Kräutergarten mit einer Kräuterschnecke. Dort sind auch zwei Hochbeete zu finden. Es wurde auch ein Sinnesweg zusammen mit einer Taststation errichtet. Neben den Kühen, Ziegen und Hühnern bewirtschaftet der Ander's Hof auch einen Obstgarten mit 1.000 Bäumen. Sehr interessant war auch die hauseigene Schnapsbrennerei, die Elmar führt. Sein Schnaps war schon Bundes- und Landessieger. Zu Mittag erhielten wir im Hofschank eine sehr gute Brettljause mit selbst erzeugtem Speck und Käse. Nach diesem guten Essen und der lehrreichen Führung fuhren wir weiter nach Zams.
Eurogast Grissemann in Zams
Als dritten Betrieb besuchten wir die Firma Eurogast Grissemann in Zams. Hier wurden wir durch die Räume der Fleischverarbeitung, das Lager und den EU-Schlachthof geführt.
Im Jahr 1886 wurde das Unternehmen von Edmund Grissemann gegründet. Das Motto lautete damals schon „Der Kunde ist König“. 1970 wurde dann das Unternehmen an Frau Maria Walser (geb. Grissemann) und Herrn Dr. Günther Walser übergeben. Insgesamt besitzt das Unternehmen 8.500 m² Verkaufsfläche und zurzeit befinden sich 55.000 Artikel im Sortiment. 165 Mitarbeiter bemühen sich, auf die Wünsche von ca. 2.200 Kunden bestmöglich einzugehen.
Eurogast Grissemann arbeitet intensiv mit zwölf Partnerfirmen zusammen und kann den Kunden die komplette Lebensmittelpalette anbieten. Seit kurzem gibt es einen Fisch- und einen Backshop, die genauso wie alle anderen Bereiche sehr gewissenhaft geführt werden. In den Spitzenzeiten liegt der Lagerwert bei rund 10 Mio. Euro. Das Lager umfasst eine Gesamtfläche von ca. 19.000 m². Der Transport erfolgt durch Stapelgeräte. Die Logistik ist für Menschen, die nicht in diesem Bereich tätig sind, eine große Herausforderung, weil das Lager sehr groß und über mehrere Etagen verteilt ist.
Die Firma Grissemann beliefert auf Wunsch die Großhaushalte in Nordtirol und Vorarlberg. Die Waren werden immer frisch geliefert und die Kühlkette wird nie unterbrochen. Die Hauptsaison ist der Winter, weil dort vor allem die Tourismus-Orte beliefert werden (z.B. Skigebiet Serfaus - Fiss - Ladis).
Die Vorschriften im gesamten Lager werden sehr genau befolgt und man merkt das Bemühen jedes einzelnen Mitarbeiters. Die Warenannahme und die -ausgabe wird sehr genau kontrolliert. Die Firma Grissemann ist vor allem auch für ihre hohe Qualität bekannt.
Damit wir die Fleischverarbeitungsräume betreten durften, mussten wir die vorgeschriebene Hygienebekleidung tragen. Bei der Fleischverarbeitung sind natürlich die Hygiene und die Gesundheit der zu verarbeitenden Tieren das „A und O“. Uns wurden die Verarbeitungs-, Kühlungs-, Verpackungs- und Etikettierungsräume gezeigt. Und auch in diesen Bereichen ist es der Firma Grissemann wichtig, dass die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben und diese präzise ausführen.
Zu guter Letzt besuchten wir den firmeneigenen Schlachthof, der 1998/1999 gebaut wurde. Dieser Schlachthof entspricht den EU-Kriterien und ist der einzige in Tirol, der auch Schweine schlachten darf. Die Stiere werden mit ca. 18 bis 20 Monaten geschlachtet und wiegen ca. 1.900 kg. Zum Zeitpunkt unserer Exkursion befanden sich nur die Zuchtstiere im Stall, weil der Rest auf der Alm war. Der Schlachttag ist immer der Freitag. Auch hier steht die Hygiene an erster Stelle. Zum Schluss wurde uns noch der Ablauf der Schlachtung erklärt und die Geräte gezeigt. In diesem Schlachthof werden nur Tiere aus der unmittelbaren Umgebung geschlachtet.
Wir möchten uns auch auf diesem Wege noch einmal recht herzlich bei Herrn Alexander, Herrn Reinhard und Herrn Harald für die lehrreiche Führung durch die Fa. Grissemann bedanken. Alle unsere Fragen wurden sehr genau beantwortet und wir bekamen noch viele Hintergrundinformationen.
Die Exkursion war für uns sehr lehrreich und interessant.
FOLin Ingin Dipl.Pädin Notburga Kofler
DIin Barbara Humer
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